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ADHS bei Kindern: Wie Eltern die richtige Behandlung finden

ADHS bei Kindern ist eine Herausforderung. Die Neurowissenschaft hat Fortschritte gemacht, aber Diagnose und Behandlung bleiben schwierig. Hier werden gängige Methoden und alternative Ansätze vorgestellt und diskutiert, welches Potenzial ADHS für eine neue Art des Denkens und Handelns hat. Wie können betroffene Kinder unterstützen werden? Es wird ein Bewusstsein dafür geschaffen, welche Faktoren zur Störung beitragen können und wie das Umfeld angepasst werden kann.


Inhaltsverzeichnis:

Kinder springen über einen liegenden Baumstamm
Quelle: Canva

I. Der Stand der Neurowissenschaft heute


Die Neurowissenschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten selbst übertroffen. Wir wissen inzwischen längst Bescheid über die faszinierende Fähigkeit der Neuroplastizität, über Spiegelneuronen oder über die einzelnen Neurotransmitter und Bedingungen, die ihre Produktion begünstigen oder vermindern. Wir sind sogar imstande, das Gehirngewebe in kleinster Struktur zu sehen und können erkennen, wie mehr als 100 Milliarden Nervenzellen sich durch über 100 Billionen Synapsen miteinander verbinden und interagieren. Und wir können bestimmte Emotionen und Gedanken in exakten Arealen auf unserem Neocortex einordnen. Das neue Wissen unterstützt uns dabei, einigen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen auf die Spur zu kommen und erfolgreich mit ihnen umzugehen.


Jedoch gibt es noch immer grundlegende Entwicklungsprozesse und Funktionsmechanismen des menschlichen Gehirns, die wir nach wie vor nicht verstehen. Das liegt vor Allem daran, dass wichtige Voraussetzungen dafür fehlen, um eine zielgenaue Diagnose zu treffen und eine nebenwirkungsarme und erfolgversprechende Therapie einzuleiten. Die Probleme, vor denen wir stehen, sind, dass es weder möglich noch ethisch vertretbar ist, am lebenden Gehirn eines Menschen zu forschen. Zudem ist die menschliche Gehirnstruktur biologisch einzigartig. Dadurch lassen sich viele Forschungsfragen nur bedingt mit Hilfe von Tierversuchen beantworten und auch die künstlichen Modelle, die sogenannten Hirn-Organoide sind nicht in der Lage, uns in die Tiefe der wirklichen neuronalen Prozesse eintauchen zu lassen.


II. ADHS – welche Symptome wir bis heute kennen und behandeln


ADHS ist ein Beispiel für eine solche Diagnose, die wir aufgrund der fehlenden Voraussetzungen nicht zielgenau treffen können. Wir geben sie Kindern oder Erwachsenen, die zappelig, unkonzentriert, chaotisch und oft „abwesend“ oder verträumt sind und sich unkontrolliert oder impulsiv verhalten. Die vier Buchstaben A, D, H und S stehen für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität werden als die drei Kernsymptome bezeichnet. Wir kennen ADHS im Allgemeinen auch als das "Zappelphilipp“-Syndrom und es wir oft begleitet von Symptomen wie Störung des Sozialverhaltens, Konzentrationsschwäche und Lernstörung.


Als Komorbiditäten (gleichzeitig auftretende Dysbalancen im System) werden zudem häufig folgende Symptome genannt:

  • Angststörungen

  • Schlafstörungen

  • Autismus-Spektrum-Störungen

  • Borderline und bipolare Auffälligkeiten

  • Depression und

  • Suchterkrankungen


Eine gezeichnete Darstellung des Gehirns mit Bezeichnung der Hirnteile
Quelle: Canva

Es gibt einige Dinge, die wir über die Gehirnstruktur eines ADHS-Kindes wissen. Der Frontallappen zeigt zum Beispiel Abweichungen der Form im Vergleich zu anderen auf. Er ist speziell für Achtsamkeit, Impulskontrolle und Selbstregulation zuständig. Im Frontallappen werden die Millionen Reize verarbeitet, die sekündlich als Informationen auf ihn einströmen, indem er sie filtert, ordnet, auswertet und dann löscht oder an die entsprechenden Zentren im Gehirn weiterleitet. Der Frontallappen wird im Allgemeinen in seiner Funktion von Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und GABA unterstützt.


Serotonin ist wichtig für Lernen und Konzentration. Durch es sind wir zufrieden, ruhig und gelassen. Es nimmt uns Angst und motiviert uns, reduziert unsere Gelüste, hilft uns zu schlafen und wirkt antidepressiv.

Dopamin und Noradrenalin sind für eine erhöhte Aufmerksamkeit, ein angepasstes Verhalten und Affektkontrolle zuständig. Sie unterstützen einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus und lassen uns feinmotorisch entfalten.


GABA ist der wichtigste hemmende Neuro­transmitter im Gehirn. Er hindert die Synapsen an einer zu schnellen Reizweiterleitung, lässt uns Angst verlieren, entspannt unseren Muskeltonus und wirkt somit Krämpfen entgegen, hemmt die Produktion von Stresshormonen und reguliert Zwangsverhalten oder Heißhungerattacken.


Im Fall von ADHS ist die Aktivität dieser vier Neurotransmitter durch die „Andersartigkeit“ des Frontallappens gehemmt. Dies liegt neuesten PET-Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomographie) zufolge an einer zu geringen Blutzufuhr in den vorderen Hirnabschnitten und einer ungenauen Informationsverteilung in Nebenareale, deren Funktion wir noch nicht kennen.


Weil es für Kinder, die Symptome einer ADHS-Diagnose wie Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität und Impulsivität aufweisen, schwierig ist, sich in das Umfeld zu integrieren, umfasst die Art der Unterstützung, die wir ihnen bis heute bieten können, meist Psychotherapie des Kindes (Verhaltenstherapie) und die Begleitung der Familien in Kombination mit Medikation.


Bunte Tabletten kullern aus einem braunen Galsflaeschchen
Quelle: Canva

Am geläufigsten ist das Medikament Ritalin, dessen Wirkstoff Methylphenidat ist. Dieser Wirkstoff ist ein Psychostimulans aus der Gruppe der Amphetamine und mit ihm wird die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin in den Nervenzellen blockiert, was dazu führt, dass sich die freien Botenstoffe an die vorgesehenen Rezeptoren im Frontallappen setzen. Auf diese Weise werden Konzentrationsfähigkeit, Motivation und Gelassenheit gestärkt.


So unterstützend seine Wirkung auch ist, ist Ritalin jedoch ebenso ein Medikament mit Nebenwirkungen. Diese Nebenwirkungen können Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Angstzustände, Schlafstörungen (Albträume oder Apnoe), Wahnvorstellungen und Aggressivität sein. Zudem wenden Menschen, die allgemein unter chronischem Leistungsdruck stehen, Methylphenidat in seltenen Fällen leider auch ohne Fachwissen oder eindeutige Diagnose für sich selbst an und missbrauchen es im Sinne eines „Gehirndopings“.



III. ADHS? – Wie wir es ab heute deuten und neu damit umgehen könnten


Ein Kind oder Erwachsener ist unaufmerksam, hyperaktiv und impulsiv. Sein Sozialverhalten ist teilweise unangepasst, die Person kann sich allgemein schwer konzentrieren und wird leicht abgelenkt. Unter bestimmten Bedingungen entstehen Schwierigkeiten beim Lernen und die Person leidet vielleicht an Angst-, Schlaf- oder Autismus-Spektrum-Störungen. Oder es gibt Borderline-Momente, bipolare Auffälligkeiten, Depression und Suchterkrankungen.


Dieses Kind oder dieser Erwachsene, das könnte jeder von uns sein und es könnte viele innere oder äußere Gründe dafür geben.


  1. Einerseits verursachen Umweltgifte, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Stress Unregelmäßigkeiten in der Neurotransmitter-Produktion.

  2. Andererseits gehen wir davon aus, dass Alkohol- und Drogenkonsum während der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel bei der Geburt zu Dysbalancen im Wachstums- und Funktionsprozess unseres Gehirns zufolge haben.

  3. Eine dritte Begründung für Symptome und Verhaltensweisen, die wir mit ADHS benennen würden, hängt mit unserem Umfeld zusammen, in dem wir aufwachsen. Sind unsere Eltern in ihrer Mitte oder gestresst, streiten sie viel, geben sie uns das Gefühl, geliebt zu sein, sorgen sie für genügend Raum, um uns frei entfalten zu können? Welchen Umgang haben wir mit Medien, wie bewegen und ernähren wir uns, herrscht eine ruhige Atmosphäre, und gibt es allgemein ein strukturiertes Miteinander, das uns wachsen und gedeihen lässt?

  4. Ein weiterer Faktor für die Entstehungsgeschichte unserer Symptome, das ist Faktor X, unser Gehirn in seiner Evolution. Jene Struktur, an der wir nicht so tief forschen können, wie wir müssten, um das Phänomen zu beschreiben, das wir als den „Neo-Neocortex“ bezeichnen würden. Unser Gehirn verändert sich und wächst. Neue Gliazellen kommen hinzu. Solche, die uns nicht nur mehr Informationen pro Millisekunde aufnehmen lassen, sondern diese auch „anders“ wahrehmen, als wir bis heute verstehen, dass wir wahrnehmen. Es ist, als existierten schon „neue“ Denkstrukturen für eine noch nicht dafür bereite Welt. Wir wären längst imstande, Fähigkeiten auszubilden, für die es noch keinen Nutzen gibt. Und weil unsere Welt als Kollektiv noch nicht in der Lage ist, sich zu transformieren, wie es einen neuen Neocortex in seiner Entfaltung unterstützen würde, ist er dazu angehalten, sein gesamtes angesammeltes Wissen noch für eine Weile zu halten, bis es so weit ist.


Diese vier Punkte machen uns, die Kinder und Erwachsenen dieser Zeit, zu jenen unaufmerksamen, hyperaktiven und impulsiven Wesen mit einem teilweise unangemessenen Sozialverhalten, Schwierigkeiten in der Konzentration und allen dazugehörigen Begleitsymptomen. Und uns bleibt nur eins, die neue Zeit herbeizuführen, die unsere neuen Gehirnstrukturen sich wünschen.


In diesem Moment ist ADHS keine Krankheit, es ist vielmehr ein Potenzial. Das Potenzial für ein neues Denken und Handeln in einer neuen Welt!


Kinder sitzen zusammen auf Yogamatten und meditieren
Quelle: Canva

IV. Fazit


Wenn Krankheit oder Dysbalance eine Art der Kommunikation unseres Systems mit uns selber ist, dann bedeutet dies, dass sie uns dazu anhalten, sie zu bemerken, achtsam zu werden, ihnen zuzuhören und uns mit ihnen auseinanderzusetzen, um sie zu verstehen. ADHS ist in jenem Moment ein Aufruf an uns, uns von den äußeren Einflüssen zu lösen, die uns in ein Ungleichgewicht bringen und innere Gelassenheit entstehen zu lassen (mehr über Neurotransmitter und Meditation)


In diesem Sinne können all unsere Blockaden als Potenziale angesehen werden. ADHS hat somit großes Potenzial. Denn es führt uns zurück in unsere Mitte. Und aus dieser Mitte heraus können wir mit Leichtigkeit eine neue Welt kreieren. Eine Welt, die unserem evolutionären Gehirn, welches wir heute noch nicht in seiner vollsten Fülle einsetzen können, eine noch nie dagewesene Spielwiese bietet.


V. FAQs


Was ist der Stand der Neurowissenschaften in Bezug auf ADHS?

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Neurowissenschaft stark weiterentwickelt und uns wertvolles Wissen über das Gehirn und seine Funktionsweise geliefert. Obwohl es immer noch viele Fragen gibt, haben wir Fortschritte bei der Erforschung von Erkrankungen wie ADHS gemacht.


Was ist ADHS und wie wird es behandelt?

ADHS steht für Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung und betrifft oft Kinder und Erwachsene, die unter Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität leiden. Die Behandlung umfasst in der Regel Psychotherapie, Medikamente wie Ritalin und die Unterstützung der Familie.


Welche neurologischen Voraussetzungen sind für eine ADHS-Diagnose erforderlich?

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die bei der Entstehung von ADHS eine Rolle spielen können, darunter Unregelmäßigkeiten in der Produktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin im Frontallappen des Gehirns. Neue Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine unzureichende Blutzufuhr in den vorderen Hirnabschnitten und eine ungenaue Informationsverteilung in Nebenareale auch zu dieser Störung beitragen können.


Kann ADHS als Potenzial betrachtet werden?

Ja, in gewisser Weise. Der Artikel argumentiert, dass ADHS nicht unbedingt eine Krankheit ist, sondern ein Potenzial für neues Denken und Handeln in einer sich entwickelnden Welt darstellt. Es ist ein Aufruf, sich von äußeren Einflüssen zu lösen und innere Gelassenheit zu finden, um aus dieser Mitte heraus eine neue Welt zu erschaffen.


Welche Nebenwirkungen hat das Medikament Ritalin?

Obwohl Ritalin oft als Behandlung für ADHS verschrieben wird, hat es auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Angstzustände und Aggressivität. Es ist wichtig, dass die Medikamente nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden und dass mögliche Nebenwirkungen beachtet werden.



VI. Key Takeaways


  • ADHS ist eine komplexe Erkrankung, deren genaue Ursachen und Mechanismen noch nicht vollständig verstanden sind.

  • Das Gehirn von Menschen mit ADHS zeigt Abweichungen in der Struktur und Funktion, insbesondere im Frontallappen, der für Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Selbstregulation zuständig ist.

  • Die Behandlung von ADHS umfasst in der Regel Psychotherapie, Familienbegleitung und Medikation wie Ritalin, die die Produktion von Neurotransmittern wie Dopamin und Noradrenalin unterstützt, um Konzentration, Motivation und Gelassenheit zu fördern.

  • ADHS kann häufig mit anderen psychischen Störungen oder Problemen einhergehen, wie Angststörungen, Schlafstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, Borderline- oder bipolaren Auffälligkeiten, Depressionen und Suchterkrankungen.

  • ADHS sollte nicht nur als Krankheit betrachtet werden, sondern auch als Potenzial für ein neues Denken und Handeln in einer sich verändernden Welt.

  • Eine achtsame, stressarme Umgebung sowie eine ausgewogene Ernährung und Bewegung können dazu beitragen, ADHS-Symptome zu reduzieren und das Wohlbefinden zu verbessern.


Dieser Blog ist kein Ersatz für fachliche medizinische Beratung, und dient nicht der Diagnose oder Behandlung. Die Inhalte dieses Blogs und die Verlinkung zu möglichen Dienstleistungen oder Produkten sind ausschließlich zu Informationszwecken gedacht. Für eine medizinische Diagnose oder bezüglich Ihrer Behandlungsmöglichkeiten ziehen Sie einen Arzt oder Apotheker zu Rate.

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